Kategorie: Impulse & Coaching

Coaching-Tools, Fragen, kleine Impulse.

  • Räume für Frauen

    Räume für Frauen

    Schreiben in Bali | Wie ein Frauenprozess entsteht | Silke Saracoglu |

    Ich sitze hier in Bali, genau genommen am Rand von Ubud, mitten in den Reisfeldern. Überall Grün. Ich kann mich an diesem Satten nicht sattsehen. Es regnet viel und es ist, sagen wir mal, frisch. Vor mir steht ein wohliger Tee: Ginger, Lemongrass, Lime und echter, roher Honig. Schmeckt herrlich und soll in der Regenzeit gegen Flu schützen. Na, da bleibe ich lieber verschont.


    Ich bin weit weg. So vieles geht an mir vorbei. Überall in der Welt kracht es, rüttelt es. Und ich sitze hier? Ja. Ich weiß. Hier ist auch nicht alles Postkarte. Auch hier gibt es Missbrauch. Unvorstellbar viel Müll. Ich will meine Augen nicht zumachen vor dem, was schiefläuft. Auch nicht hier im Grün. Ich kann nicht alles gleichzeitig retten – würd ich gerne. Ich weiß das: Dauerempörung ist keine Haltung. Selbsthygiene ist kein Egoismus. Sie ist Voraussetzung.

    Ich kam hierher, um mein Buch fertig zu machen. Und diese Woche habe ich es abgeschickt.
    An fünf Verlage. Mein Herz hat ganz ruhig geschlagen und ich war still entspannt, als ich auf Senden gedrückt habe. Aber hinterher musste ich mich ehrlich gesagt erstmal wie ein Hündchen schütteln. Ja, das war doch ganz schön aufregend. Nicht so „Jetzt beginnt ein neues Leben“-aufregend, sondern eher: Und was kommt jetzt? Heute ist mir viel stiller zumute. Da ist mehr Ruhe. Und Gewissheit. Ich weiß ja: Wenn etwas fertig ist, braucht man nichts mehr festhalten. Man darf’s einfach gehen lassen. Es sich selbst überlassen.
    Ich kenne das gut von der Bühne. Wenn ein Stück Generalprobe hatte, gehört es sich selbst.

    Jetzt ist hier wieder Raum. Viel davon, wenn’s gut läuft. Raum und ich, mittendrin in diesem – ja, genau: Grün.

    Ich habe das fertige Manuskript mit meinen Freundinnen über Zoom gefeiert. Das sind große Frauen, weise Frauen. Meine Frauen. Meine Hood. Wir passen aufeinander auf, halten uns, pushen uns, und manchmal lassen wir uns auch. Jede darf sein, wie sie ist. Muss sich nicht inszenieren. Keine muss klüger oder weiter sein oder sich beweisen.

    Gerade dachte ich:

    So ein Raum ist selten.


    Warum glauben wir immer, dass wir erst noch klüger oder weiter sein müssen, etwas leisten müssten, oder schnell noch erledigen sollten, oder noch das Eine abhaken müssen bevor –
    Ja was eigentlich? … Bevor wir da sein dürfen. Wir, ganz normal, mit unseren Macken und Zweifeln. Mich interessiert im Moment am meisten genau das: Räume, in denen nichts erreicht werden muss. Räume, in denen man nicht analysiert oder optimiert wird.
    Sondern solche, in denen man sich einfach mal gehalten fühlen darf. Punkt. Nichts an diesen Räumen fühlt sich anstrengend an. Und alles, das, was sich nicht anstrengend anfühlt, hat gerade meine volle Aufmerksamkeit. Hier in Bali macht sich mein Herz weiter (während ich das schreibe, komm ich mir grad vor wie diese Eat-pray-love-Julia-Roberts). Es ist nicht viel anders als sonst, es fühlt sich klarer an. Wie eine große Verschiebung mehr zu mir hin. Weniger Rolle. Weniger „ich muss, ich soll, ich darf aber…“ Einfach mehr Selbstverständnis. Mehr Dasein. Und noch mehr Grün.

    Ich genieße das gerade. Und ich weiß, was ich mache:

    Ich werde so einen Prozess öffnen.

    Über fünf Monate hinweg wird eine kleine, feste Gruppe von sechs bis acht Frauen miteinander arbeiten. Miteinander sein. Es geht dabei nicht um Selbstoptimierung, nicht um Wellness und auch nicht um ein unverbindliches „Wir schauen mal“, sondern um einen ernst gemeinten, klar gehaltenen Rahmen. Einen Rahmen, in dem man wachsen darf, ohne sich zu verbiegen. In dem man echter werden kann. In dem du da sein darfst. Wenn du spürst, dass du genau das brauchst, also keinen weiteren Kurs oder therapeutischen Methodenkoffer und keine Coaching-Tools, sondern einen verlässlichen Raum mit Frauen, die es wirklich ernst meinen, dann frag dich, ob du Ja sagen willst zu diesem verbindlichen Frauenprozess. Wenn du dir genau soetwas schon lange gewünscht hast, schreib mir oder trag dich in den Newsletter ein.

    Ich melde mich, sobald es konkret wird. Beginnt es genau hier?

  • 11 666 Schritte – Istanbul. Jetzt.

    11 666 Schritte – Istanbul. Jetzt.

    Eine Reiseerfahrung in Instanbul

    Ich wollte Istanbul nur erleben. Aber die Stadt hat mich genommen, durchgeschüttelt und wieder ausgespuckt. Was bleibt, sind die Schritte, ein bisschen Rückenschmerzen vom Perlenschleppen und ein Text, den ich gleich noch auf dem Rückweg nach Sarıyer geschrieben hab und der hoffentlich genau das festhält:
    Überforderung nämlich, Schönheit, Warten, Selbstführung und alles dazwischen. Alles, was du sonst noch über Istanbul wissen solltest, findest du hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Istanbul

    11 666 Schritte – Istanbul. Jetzt.

    11. November 2025 · 20:20 Uhr Istanbul.

    11 666 Schritte.
    Jetzt sitzen wir im Boot nach Sarıyer.

    Großer Bazar. Blaue Moschee. Mittagessen bei Özkan Köfteci. Hagia Sofia. Schritte und Schritte.
    Wir schleppen viel mit uns.

    Alişveriş.
    Großeinkauf beim Perlen-Großhändler. Nazar Bonçuk – diese blauen Augen aus Glas – und Armbändchen aus Stein.
    Handel ist manchmal schwer. Glas und Stein – sie wiegen mehr, als man glaubt.
    Wir kauften mindestens tausend und eine.

    Der Bosporus treibt sich um.
    Zieht sich durch die Stadt und durch die Gedanken der 16 Millionen Menschen.

    „Wir arbeiten für 16 Millionen täglich“ – so stand es auf der Jacke des Schiffsmatrosen.

    Istanbul.
    Stadt auf zwei Kontinenten.
    Du bist ein Glitzermeer, ein Ungetüm, ein Orakel und eine Frage, die nicht beantwortet werden kann.
    Du bist laut und ungezähmt.
    Dunkel.
    Und gleißend.
    Wer weiß dich zu nehmen?
    Wer kennt dich?

    Heute ist Atatürks Todestag. Der wievielte eigentlich?
    Die Menschen hatten heute frei – die Stadt nicht.
    Touristen strömen herein und heraus. Wie Atem.
    Frischer Wind, dem man bald überdrüssig wird.

    Wir hören viel: Maschinen. Motoren. Schiffe. Verkehr. Leben eben.
    Hunderttausend Worte, Fetzen aus tausend Sprachen.

    Wir sehen in unzählige Gesichter: voller Hoffnung, voller Wünsche.
    Und in Gesichter, die nicht sie selbst sind – Botox unter der Haut, und darunter, viel tiefer: Träume.
    Gesichter hinter Schleiern, strengen Mienen, Bärten, die überraschend lustig ausschauen.
    Jung und Alt vermengt sich.

    Heute folge ich meinem Mann. Er stoppt, filmt, macht Musik, erledigt Business – überall zugleich.

    Ich warte. Schaue. Beobachte das Treiben und mich selbst – zwischen Überforderung, Überdruss und Neugier.

    Vor ein paar Stunden waren wir dort – im Bazar.
    Der gesamte Handel der Türkei hat hier seine Heimat.
    Alles schiebt sich, dicht gedrängt, verwebt sich zu einer pulsierenden Masse.

    Ich erinnere mich kaum.
    Von Eindrücken überrollt, schlossen sich alle Kammern in mir.
    Selbst Staunen war schwierig.
    Die Welt, verdichtet an einem Ort.

    Frauen in riesigen schwarzen Kleidern – nur Augen.
    Männer in Karo-Hemden – Karos, wohin das Auge blickt.
    Ungewöhnlich viele junge Menschen in schwarz. Nicht zu übersehen.

    Unglaublich viele Kinder.
    Parfüm, schwer in der Luft.
    Katzen, die ihre Gerüche in Ecken verewigt haben.
    Für den Geruchssinn eine Prüfung.

    Ja – Menschen im Pulk riechen.

    Und diese Gewürze – sie wehen noch immer durch mein Gehirn.
    Und die Farben.
    Seit Stunden kombiniere ich alles, koche ich innerlich ein Mahl nach dem nächsten, kreiere Menüs – und bin wunderbar satt.

    Gut – ja. Auch wegen der Rolle Pistazien-Lokum, die ich in einem Satz verputzt habe. Köstlich.

    Dann dieses Glitzern: Schmuck, wohin das Auge reicht.
    Echt und künstlich.
    Unzählige silberne Glieder, ineinander geschmiegt, eine einzige Fläche.
    Goldringe in Auslagen – Versprechen für immer.

    Enge Straßen.
    Verwinkelte Gassen.
    Prächtige Alleen mit alten, prunkvollen Gebäuden.

    Ein Fließen. Ein Schwingen. Ein Strömen. Ein Drängen.
    Alles ist in ständiger Bewegung.

    Überall Läden. Stände. Angebote.
    Auslagen, sortiert nach kleinen Welten.

    Abendmode, Brautkleider.
    Kunstblumen.
    Decken.
    Coole Messer.
    Kindershirts mit Barbie, Elsa und Co.
    Plastik aus China.
    Plüsch aus sonstwo.
    Anti-Käfer-Chemie.
    Socken – von Hand gestrickt.

    Muezzine rufen ihre Gebete von den nahen Moscheen.
    Kinderkreischen.
    Hohe Frauenstimmen.
    Händler, die laut Granatapfelsaft ausrufen.

    Aus der Mitte erklingen die Rhythmen der Karrenräder, die Lasten von einem Ort zum anderen bringen.

    Überhaupt frage ich mich:
    Wie bitte versorgt, ernährt und kleidet man eine Stadt mit über 16 Millionen Menschen?
    Fliegenklatschen, Kurufasülye, Simit, Sebze-Mebze und türkischem Kaffee: sade, orta, şekerli?
    Und der Müll?

    Ich habe Fragen.

    Schon hält unser Boot an der nächsten Station – Emirgan.

    Über dem Schiff Möwen, selbst nachts kreisen sie über der Stadt.
    Auf dem Wasser glitzert gelbes Licht.
    Dort hinten wirft eine Ampel ihr grünes Leuchten hinab.

    Wie tausend Perlenketten ziehen sich die Lichter auf beiden Seiten des Bosporus
    und spannen sich dreimal hinüber – drei Brücken.

    Wie schaffen es all diese Schiffe und Boote darunter, sich auszuweichen?

    Das letzte Schiff – unseres – wird um 21:45 Uhr in Sarıyer ankommen.
    Der Mann hinterm Tresen zählt sein Geld. Seit acht Uhr früh ist er unterwegs.

    Zeit, heimzugehen.

    Der Tag lief gut: Tee, Kaffee, Kekschen, Portakal-Suyu.
    Feiertag. Und er hat gearbeitet.

    20 Lira ein Gläschen Tee – 40 Cent.
    Heiß. Dunkel. Erfrischend.

    Hier trinkt ihn jeder – Tag und Nacht.

    11 666 Schritte.
    Über Asphalt und Schotter, über Teppiche, über uralte Steine.

    Menschen aus aller Welt – mit uns geht die bunte Welt.

    Mein Herz klopft.
    Vor Freude.
    Vor Staunen.
    Vor Sehnen.
    So viel Lebendigkeit.

    Und ich weiß auch:
    Das Leben hier ist schwer.
    Es wird schwerer.

    Alles ist fast unbezahlbar.
    Die Menschen in dieser Stadt fragen sich:
    Wie soll das nur weitergehen?

    Doch glaube ich auch:
    Diese Stadt hat so viel gesehen, gerochen, gefühlt, geschmeckt
    wie keine andere auf diesem Planeten.

    Ach, Bosporus – wenn du eins kannst, ist es Hoffnung schenken.
    Hoffnung, dass alles im Fluss ist.

    Los, mach schon.

    Und morgen gehe ich mit dir –
    11 666 Schritte.

    Hier noch ein paar Fragen für hinterher: 

    • Was in deinem Leben ist gerade „zu viel“? Was davon ist wirklich deins?

    • Wo rennst du hinterher, obwohl du stehen bleiben müsstest?

    • In welchen Momenten verwechselst du Warten mit Stillstand?

    • Welche Überforderung zeigt dir in Wahrheit, dass etwas gesehen werden will?

    • Was würdest du mitnehmen, wenn du heute 11 666 Schritte gehen würdest? Und was würdest du zurücklassen?

    • Wer bist du mitten im Lärm? Und wer willst du dort sein?

    • Welche Entscheidung wartet schon länger darauf, dass du sie triffst?

    • Was sagt dein Herzschlag dir, wenn du endlich hinhörst?


    Wenn du Lust hast, tiefer einzutauchen:
    Ich schreibe weiter über Wandel, Wahrnehmung und den Mut, stehenzubleiben.
    Mehr davon findest du hier im Blog.

  • Schatten -Arbeit

    Schatten -Arbeit

    Schatten – oder wenn Licht auf den Stein trifft

    Ich bin gerade unterwegs in Südostanatolien. Licht und Schatten liegen hier ganz dicht beieinander. Es ist Ende Oktober und doch brennt die Sonne, glühen die Steine, der Regen lässt auf sich warten. Immer noch. Hinter jedem Tor, in jedem Innenhof wartet ein kühler, stiller Raum.

    Vielleicht hat mich genau das hergeführt: Stille. Hitze. Trubel. Gegensätze.
    Alles ist sichtbar, laut, heilig, voller Geschichten. Und ich fühle hier tiefer, mächtiger, wie viel in mir selbst gerade in Bewegung ist.
    Altes, das gehen will. Neues, das noch keinen Namen hat.

    Schattenarbeit ist also gerade keine Theorie für mich, sondern Alltag.
    Sie geschieht andauernd: wenn ich mich selbst ertappe. Sobald ich hinschaue. Wenn ich mich im Anderen sehe. Wenn ich merke, dass ich mir mal wieder selbst im Weg stehe. Oder endlich Platz mache.

    Darum dieser Text.
    Er soll Fundstück, Spiegel und Einladung zugleich sein. Für dich. Und auch für mich.

    Schattenarbeit klingt immer so, als müsse sie schwer sein. Voll Leid und Anstrengung. Dabei ist sie eigentlich nichts anderes als ehrliches Hinschauen. Auf das, was wir lieber verstecken würden: unsere Wut, unser Neid, unsere Angst, unser Bedürfnis nach Anerkennung. Oder diesen ewigen Versuch, alles im Griff zu behalten.

    Im Coaching bedeutet Schattenarbeit nicht, bis aufs Blut in alten Wunden zu wühlen. Wir wollen verstehen, was wir abspalten, wenn wir einfach nur funktionieren. Wenn wir wieder ganz werden – wie viel Kraft wird da frei! Wie viel Kreativität! Licht und Dunkel, klar und verletzlich, alles da.

    Meine Geschichte aus dem Kloster Mor Gabriel erzählt genau davon. Vom Licht, das den Stein wärmt. Vom Staub, der hustet. Vom Versuch, alles festzuhalten. Und vom Moment, in dem der eigene Schatten plötzlich Frieden schließt.


    Schatten

    Vorhin war ich im Kloster Mor Gabriel. In Südostanatolien.

    Über die Weite der Landschaft südöstlich von Midyat erhebt sich das Kloster mit seinen uralten Mauern. Es lebt.

    Uralte, goldrosafarbene Kalksteine flüstern still, unermüdlich tausendundeine Geschichte von der Sonne, die sie seit Jahrhunderten wärmt. Von Mönchen, Nonnen und Schülern, die dieselben Stufen hinauf und hinabsteigen, bis sie blank glänzen.

    Die Steine kennen die Bibliothek. Sie waren Zeugen jedes Schriftzugs, der hier je geschrieben wurde. Sie kennen jedes Wort, das von hier in die Welt ging. Können die Mosaiken jede Zeile der Liturgien mitsingen? Ja, sie können. Und sie halten in ihren Vertiefungen, wie die Mauerritzen, den Duft von Weihrauch und Myrrhe.

    Psalmen. Kerzen. Gebet. Arbeit. Unterricht. Bischofssitz. Pilgerstätte.

    Blitzblank. Vielleicht der sauberste Ort der Türkei. (Neben dem Haus meiner Schwiegermutter.)

    Morgens, um neun, öffnen sich für zweieinhalb Stunden die schmiedeeisernen Tore für jene, die Mor Gabriel im Tour-Paket gebucht haben. Sie strömen aus den Bussen. Der ganze Kosmos in Bewegung: Mütter, Väter, Kinder, rüstige Rentner, Spazierfreudige mit Plastikflasche, Lipgloss, Sonnenbrille, Kopftuch. Jede Hand hält ein Handy.

    Voran der Reiseführer mit seinem Wimpel am Stab, ausgefranst, von Jahren und Sonne gebleicht. Schon auf der Allee klicken sie hundertfach.

    Kaum öffnet sich die Tür, entweicht ein kurzes andächtiges Raunen, bevor sich Lippen und Münder, je nach Facon, gespitzt oder lasziv geöffnet in Kameras spreizen.

    Für die Steine ist das neu, relativ gesehen.

    „Selfies, Selfies“, raunen die Mauern. Sie kneifen die steinernen Lider zusammen bei jedem Blitz. „Selfies“, hustet der Staub. Die Treppe stöhnt.

    Das zwanzigste, dreißigste, sechzigste Foto – zählen Sie mit?

    Zwei junge Frauen, schön wie aus dem Katalog, warten, bis die Gruppe verschwunden ist. Lüften Jäckchen und Röckchen, zeigen Schulter, blankes Knie.

    Ein alter Mann mit Gehstock sieht zu. Verwundert. „Warum fotografiert ihr immer nur euch? In der alten Zeit gab es das nicht.“ „Tja“, sagen sie, „das nennt man Selbstliebe. Die gab’s früher wohl auch nicht.“

    Sie rollen die Augen. Drehen sich um. Gehen.

    Er bleibt. Schaut. Legt die Finger auf den Stein, als wollte er seine Wärme prüfen. Einst war er Schüler hier, schrieb aramäische Buchstaben von rechts nach links in makellosen Bögen. Manchmal, wo immer er ist, rezitiert er noch immer, leise, für sich, einen Psalm aus der Tiefe.

    Ich folge dem vorgeschriebenen Weg. Halte Abstand, Absperrbänder. Treu meiner Regel: weit weg von Gruppen, die meine Knöpfe drücken.

    Laut kreischende Kinder. Eltern, die vergessen, dass sie Eltern sind. Besserwissende Senioren. Vordrängler. Dauerfotografierende. Soll ich weiter aufzählen? Es reicht. Yeter.

    Also folge ich den Mustern der alten Zeit. Dem Licht.

    Besessen versuche ich, alles festzuhalten, zu fixieren, zu konservieren. Ich halte mit dem Handy überall drauf. Nur Selfies – das bleibt schwierig.

    Wie war das nochmal mit der Selbstliebe?

    Ich hebe den Blick. Über mir die helle Vormittagssonne.

    Da finde ich meinen Schatten, er findet mich.

    Wir sind still.


    Ein Schritt weiter

    Schattenarbeit ist nie eine einmalige Erkenntnis, sondern immer ein Prozess. Und auf jeden Fall ein Weg zurück zur inneren Klarheit. Wenn du selbst an einer Schwelle stehst, wo sich Altes als überholt erweist, wo sich eine Unschärfe zeigt, weil Neues noch nicht greifbar ist, begleite ich dich gern auf deinem Weg.

    Im Einzelcoaching schauen wir gemeinsam hin. Ohne Drama, aber mit Tiefe. Wir erforschen, was dein Schatten dir eigentlich zeigen will, und wie du daraus wieder gestärkt ins Licht treten kannst.

    Mehr dazu findest du hier:
    👉 Einzel im Wandel

  • Die Neue…

    Die Neue…

    Die neue ist da – und doch noch nicht

    Die neue Webseite ist online.
    Also zeitgleich dann, wenn ich diesen Blog – bei mir heißt er INSPIRATION – poste.

    Und gleichzeitig ist sie noch eine Baustelle.
    Der SEO-Chef würde Stand jetzt sagen: „Ach du liebe Güte!“
    Blinde Flecken überall.
    Nach vielem Hin- und Herschieben von Textblöcken weiß ich manchmal selbst nicht mehr, wo oben und unten ist.

    Darum heute kein „Tada, schaut mal, alles glänzt!“
    sondern eine Bitte: Hilf mir hinzuschauen.


    Schau dich um

    👉 www.silke-saracoglu.de/inspiration

    Was siehst du?
    Wo stolperst du?
    Wo fehlen dir Türen, Fenster, Schilder?

    Allein ist es manchmal nicht so schön, finde ich.
    Das gilt am Meer überall auf der Welt genauso wie im Leben.


    Grüße aus Foça

    Hier in Foça, einer kleinen Hafenstadt in der Türkei, leuchtet die Sonne.
    Nachsaisonliches Treiben, silbrige Wellen, Bougainville in voller Pracht.

    Ich könnte jetzt also mit meinem Laptop in einem hippen Café bei Iced Matcha Latte sitzen und arbeiten.
    Mach ich aber nicht.

    Hinter mir ruft das Haus meiner 91-jährigen Schwiegermutter, die sich um ihren zweiten Sohn kümmert.
    Mein Mann rockt hier alles, was geht, und ich bin zuständig fürs Kochen.
    Echte Mühen, echtes Leben.

    Heute gibt’s übrigens Zucchini mit Tofu – mal sehen, was sie dazu sagen.
    Die Bougainville muss hochgebunden werden, die Wäsche flattert schon trocken im Wind.
    Alles machbar, aber man muss es halt tun.


    Vom Leben und Webseitenbauen

    Genauso ist es mit dem Bauen einer Webseite.
    Nix da renne-renne, „ist doch alles schnell gemacht“ – das spielt hier einfach nicht mit.

    Das Leben ist eigentlich einfach – warum machen wir es uns so oft kompliziert?
    Was wäre, wenn wir uns gegenseitig unterstützen?


    Deine Impulsfragen an dich (und für mich)

    • Findest du dich im Menü zurecht oder wirkt es noch verwirrend?
    • Wie gefällt dir die Blog-Seite INSPIRATION – liest sich das angenehm oder brauchst du Blättern?
    • Wenn du auf der Seite bist: Fehlt dir etwas, damit du dich eingeladen fühlst?

    Zum Schluss

    Dein Blick hilft mir, die Seite klarer und lebendiger zu machen.
    Bitte sag mir gern schonungslos, wo du stolperst oder was dir fehlt.
    Ich danke dir jetzt schon mal.

    So wird aus Baustelle nach und nach ein Zuhause.
    Genau so wünsche ich mir lebendige Co-Creation – nicht allein, sondern gemeinsam.

    Und wenn du meine Hilfe brauchst: Ich bin da.


  • Stufen

    Stufen

    Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …

    und manchmal auch ein bisschen Chaos

    Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
    Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
    Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
    Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
    Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
    Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
    Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
    In andre, neue Bindungen zu geben.
    Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
    Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

    Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
    An keinem wie an einer Heimat hängen,
    Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
    Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
    Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
    Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
    Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
    Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

    Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
    Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
    Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
    Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

    Hermann Hesse


    Zwei Welten. Zwei Stimmungen. Ein Anfang.

    Während ich hier im Camper in der Türkei sitze – Sonne, 25 Grad, leichter Wind und das Meer in der nahen Ferne – erzählt mir Helen am Telefon:
    „In Deutschland ist Herbst, 9 Grad, alles grau.“

    Zwei Welten. Zwei Stimmungen.
    Genau das ist ein Anfang: ein Übergang von einem Raum in den nächsten.


    Freiheit unter türkischer Sonne

    Ich feiere meine neugewonnene Freiheit unter der türkischen Sonne und merke es jetzt wirklich:
    Für mich ist das ein Anfang.

    Zwischen alten Projekten und neuen Räumen, die entstehen wollen.

    Neulich habe ich meine Webseite geöffnet, um nur „mal eben“ ein paar Dinge zu aktualisieren.
    Und wie so oft: plötzlich passte fast nichts mehr.

    Alte Texte fühlten sich eng an.
    Strukturen, die mal sinnvoll waren, tragen jetzt nicht mehr.
    Und ich dachte: Genau das passiert meinen Klientinnen und Klienten ständig.


    Wenn Räume zu klein werden

    Ein Job, der so, wie er ist, nicht mehr passt.
    Eine Beziehung, die eng wird.
    Ein Lebensabschnitt, der sich verbraucht hat.

    Man merkt: die Räume sind zu klein geworden.

    Und wie gehen wir dann damit um?
    Vielleicht so wie ich: ein bisschen jammern, schimpfen, innerlich stampfen?

    Erzähl mal – wie machst du das?


    Und dann, wenn wir mutig sind …

    … öffnen wir den Blick.
    Wir fragen:

    • Was ist jetzt mein nächster Schritt?
    • Wo liegen Chancen und Möglichkeiten?
    • Wo wartet der neue Raum, der größer ist als der alte?

    Mein Lieblingskompass: Ikigai

    Ich nutze dafür gern das japanische Konzept Ikigai – und die Frage,
    wofür es sich lohnt, morgens aufzustehen.

    Wenn du auf diese vier Fragen ein ehrliches Ja findest,
    bist du nah dran an deinem Weg:

    1. Liebe ich, was ich tue?
    2. Sehe ich darin einen Sinn?
    3. Bin ich gut darin?
    4. Fällt es mir leicht?

    Mein Impuls für dich

    Nimm dir 9 ½ Minuten und stell dir diese Fragen oben.

    Und wenn du dann noch Zeit hast, schreib auf:

    • Wo ist in deinem Leben gerade Herbst – kühl und grau?
    • Wo ist Türkei – warm und weit?
    • Und an welcher Stelle merkst du: Hier darf ein neuer Anfang sein?

    Denn jeder Neuanfang hat seinen Zauber.
    Auch wenn er ruckelig startet, Chaos bringt oder Mut erfordert.

    Er beschützt uns.
    Und er hilft uns, weiterzugehen.